Reisebericht Oktober 2007 - Bulgarien

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Impressionen
Oktober 2007
02.10.2007 - 14.10.2007


Abflug am 02.10.2007 vom Flughafen Frankfurt/Main mit der Boeing 737-300 um 19:20 Uhr. Zum ersten Mal brauchte ich keinen Paß mehr, der Personalausweis genügte. Pünktlich um 22:40 Uhr landete die Maschine in Sofia und nach 10 Minuten Wartezeit war auch schon das Gepäck da.
03.10.2007
Die obligatorische Anmeldung bei der Polizei ist mittlerweile nicht mehr notwendig. Zuerst kaufte ich mir ein Voucher um mein Handy aufzuladen. Die Globul-Karte hatte ich noch vom letzten Jahr. Da der Autoverkehr dramatisch zugenommen hat, entschloß ich mich einige Stationen in Sofia zu Fuß abzulaufen. Am Ende waren es dann doch rund 20 Kilometer. Für drei Tage wollte ich noch nach Levski fahren und deshalb mietete ich mir unterwegs einen Wagen (20 € pro Tag, Corsa), den ich um 16:00 Uhr abholte.



04.10.2007
Gegen 10:00 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Levski und nach rund drei Stunden war ich am Ziel. Anschließend wurden die notwendigen Lebensmittel (Fleisch) für den Abend eingekauft. Der weitere Nachmittag gestaltete sich abwechslungsreich mit reichlich Essen und Trinken.
05.10.2007
Nach dem Frühstück machten wir einen Ausflug nach Pleven, wo ich 2004 das letzte Mal gewesen bin.
Pleven /Плевен/ liegt in der Donautiefebene 174 Kilometer nordöstlich von Sofia. Sie ist die siebtgrößte Stadt Bulgariens (ca. 300.000 Einwohner /2006/) und  wurde erstmals in einem Dokument von 1266 erwähnt. Der Ort wurde bereits von den  Thrakern gegründet und erhielt den Namen Storgosia, den auch die Römer beibehielten. Die Slawen nannten ihn Kamenec. Seit dem XIII. Jahrhundert heißt der Ort Pleven.
Zur Zeit der osmanischen Fremdherrschaft war Pleven eine Garnisonsstadt, und entwickelte sich zu einem wichtigen Verwaltungs-, Handels- und Handwerkszentrum.
Während des russisch-türkischen Krieges (1877-1878) wurden hier erbitterte Schlachten geschlagen. Erst nach monatelanger Belagerung konnten die türkischen Truppen, nach einem erfolglosen Ausbruchsversuch am 10.12.1877, zur Aufgabe gezwungen werden.
Im Andenken an die Gefallenen dieser Kämpfe wurde 1907, am Platz der Nationalen Wiedergeburt, das Mausoleum „Sveti Georgi Pobedonosetz“ (Nr.:40) errichtet.
Außerhalb der Stadt, auf einem nahe gelegenen Hügel, befindet sich das Panorama (1977) „Plevenska Epopeja 1877“ /Video/ mit einer Fläche von 1725m2. Durch die Verbindung von gemalten Bildern und real gestaltetem Schlachtfeld erhält man einen lebendigen Eindruck von den Dimensionen der Schlachten um Pleven.
Im Anschluß an unseren Stadtrundgang fuhren wir zum Mittagessen nach Kajlaka.
Kajlaka /Кайлъка/ Der Park befindet sich südlich von Pleven und wurde von General-Leutnant Ivan Vinarov gegründet. Er umfasst ca. 10 Hektar in einem Karst-Tal. Die Felsen ragen über 20 Meter in die Höhe und bieten gute Bedingungen zum Klettern. Weiter gibt es künstliche Seen und Stauseen, Boots- und Tretbootverleih, Schwimmbecken, Hotels, Kaffee, Restaurants, Diskotheken, Kinderspielplätze und einen Zoo.
Im Park befinden sich auch die Ruinen der Festung Storgosia, die 2005 mit Unterstützung von EU-Geldern rekonstruiert wurde.
Am Abend wurde wieder reichlich Essen und Trinken aufgefahren und am nächsten Morgen 06.10.07 ging es auch schon wieder nach Sofia zurück.


07.10.2007
Gegen 10:00 Uhr wurde ich in Sofia abgeholt und es ging weiter nach Blagoevgrad. Das Wetter hatte sich verschlechtert und es nieselte ständig. Auf dem Weg machten wir noch einen Abstecher nach Bojana um uns die "Bojanska Zarkva" anzusehen.
Die Kirche von Bojana /Боянска църква/(Nr.:70) „Hl. Nikola und Hl. Pantelejmon“ ist eine mittelalterliche Kirche und befindet sich im Sofioter Stadtteil Bojana, am Fuße des Vitoschagebirges. Sie wurde 1979 als Kulturdenkmal in die Liste der UNESCO, unter der Nr.: 42, aufgenommen.
Die ältere Kirche hat zwei Etagen und wurde Ende des X. Jh.  Anfang des XI. Jh. errichtet. Sie verkörpert den Typ „Zweietagige Kirchen-Gruft“ mit der unteren Etage als Begräbnisstätte und der Oberen als Familienkapelle.
Im XIII. Jh., zur Zeit des zweiten bulgarischen Staates, wurde sie erweitert und im XIX. Jh. umgebaut. Die Wandmalereien sind aus verschiedenen Perioden: XI.-XII. Jh., 1259 (die wertvollsten), XIV. Jh., XVI.–XVII. Jh., und 1882. Unschätzbaren künstlerischen Wert haben die weltbekannten Wandmalereien mittelalterlicher Künstler von 1259 (240 Abbildungen als zweite Schicht über dem Original).



Am 08.10.07 und 09.10.2007 mußten wir diverse Besorgungen erledigen, da die Wohnung gerade renoviert wurde. Das Wetter war auch nicht besonders und es regnete immer wieder.
Am Dienstag ging es dann nach dem Mittag los und die erste Station war Velingrad. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung fuhren wir weiter bis zum Stausee Batak. Auf der Suche nach einem Quartier kamen wir an diversen Hotelbaustellen vorbei, die bis zum nächsten Jahr eine große Anzahl von Übernachtungsmöglichkeiten bringen werden. Wir fanden einen Hotelkomplex der uns gefiel aber die Rezeption war leider nicht besetzt. Unter den angegebenen Telefonnummern war niemand erreichbar. Also entschlossen wir uns, zuerst etwas zu essen und dann noch einmal unser Glück zu versuchen. Wir fanden ein gemütliches Restaurant und da auch ein Motel mit angeschlossen war, quartierten wir uns dort ein (pro Person 15,00 Leva). Die Zimmer waren frisch renoviert und boten allen Komfort.
Velingrad /Велинград/ befindet sich am westlichen Ende des Chepiner Talkessels und entstand 1948 durch den Zusammenschluss der drei Dörfer Chepino, Ladschene und Kamenitza. Sie trägt den Namen der, in Kamenitza geborenen, Partisanin Vela Peeva. In der Stadt und der Umgebung gibt es viele Mineralwasserquellen (mit einem durchschnittlichem Fördervolumen von 9000 l/min.), unter anderem die größte Karstquelle Bulgariens „Kleptusa“ mit 580 – 1180 l/min.. Velingrad ist eine Station der Rhodopenbahn (Smalspur) von Septemvri nach Dobrinischte.



10.10.2007
Am Morgen war es diesig aber zum Glück regnete es nicht. Nach dem Frühstück fuhren wir, am Stausee entlang, weiter nach Batak. Auch dort gab es wieder einen Stempel. ("100 national-touristische Objekte Bulgariens")

Batak /Батак/ (Nr.:38) liegt in den Rhodopen, ca. 32 Kilometer südlich von Pasardschik.
Die Gegend um Batak wurde während der hellenischen und römischen Zeit vom thrakischen Stamm der Bessi bewohnt. Später, im VI. und VII. Jh., ließen sich hier die Slawen nieder. Zur Zeit des bulgarischen Khans Krum befand sich die Grenze Bulgariens südlich der Stadt. Der Name Batak wurde erstmals im XVI. Jahrhundert erwähnt.
Es entwickelte sich die Holzgewinnung und -bearbeitung, verschiedene Handwerke siedelten sich an und die Bildung und Kultur blühten auf. Im Jahre 1813 wurde die Kirche „Sveta Nedelja" (heute Museum und Gedenkstätte) gebaut und 1835 die Schule „Kyrill und Method" eröffnet.
Während des Aprilaufstandes gegen die osmanische Fremdherrschaft im Jahre 1876 kam es zum „Massaker von Batak“. Fast die gesamte Bevölkerung (ca. 5000 Bewohner, darunter viele Frauen und Kinder) wurde umgebracht. Die Kirche „Sveta Nedelja“ war die letzte Zufluchtstätte der Einwohner und der Aufständischen. Sie war das einzig Gebäude das nach der Zerstörung der Stadt durch die Türken erhalten blieb. Batak wurde zu einem zentralen Ort des Gedenkens an den bulgarischen Freiheitskampf.
Nach der Befreiung, im Jahre 1878, kehrten die Überlebenden, etwa 1200 Personen, zurück und begannen mit dem Wiederaufbau der niedergebrannten Häuser.
Die nächste Station war die Höhle "Sneschanka". Vom Parkplatz war es ein 15 minütiger Aufstieg, der teilweise sehr steil war. Als wir oben ankamen, war niemand im Kassenhäuschen und mit dem Handy konnten wir keine Verbindung herstellen. Wir haben noch eine halbe Stunde gewartet, mußten dann aber unverrichteter Dinge abziehen. Wir fuhren weiter bis nach Peschtera und besichtigten die Kirche "Hl.Petka".
Peschtera /Пещера/ liegt an der Grenze zwischen der Oberthrakischen Tiefebene und den westlichen Rhodopen, 15 km nördlich von Batak. Die Stadt hat 23.700 Einwohner.
Bei Ausgrabungen rund um den Ort wurden Überreste von Festungen, Straßen und Brücken aus der Zeit der Thraker gefunden. Daraus wird abgeleitet, daß hier bereits im IV. Jh. v.u.Z. eine Siedlung existierte.
Zur Zeit der „Wiedergeburt /Възраждане/“ blühten verschiedene Handwerke und besonders das Bauwesen auf. In dieser Zeit wurden beeindruckende Bauwerke errichtet: die Kirchen „Hl. Petka“ /1710/, „Hl. Dimitar" /1825/ und „Hl. Bogorodiza" /1864/, die erste Schule wurde 1848 errichtet und von 1650 bis 1710 wurde der Uhrturm gebaut.
Nach dem kurzen Besuch von Peschtera fuhren wir weiter nach Pasardshik. Zum Mittag kamen wir dort an und nach dem Besuch des Historischen Museums, machten wir es uns in einem kleinen Restaurant zum Mittag gemütlich.
Pasardshik /Пазарджик/ befindet sich im westlichsten Teil der Oberthrakischen Tiefebene.
Der Name stammt aus dem türkisch-persischen und bedeutet, das die Stadt ein „kleiner Basar“ war. Sie lag zuerst nur auf dem linksseitigen Ufer der Mariza. Nach der Befreiung von der osmanischen Fremdherrschaft dehnte sie sich auch bis auf das rechte Ufer aus. Sie befindet sich an der Magistrale „Thrakia“  /Autobahn/ und ist 109 Kilometer von Sofia entfernt. Bis Plovdiv sind es 36 Kilometer und bis Panagjurischte 43 Kilometer.
Pasardshik wurde 1485 gegründet, als wichtige Station auf dem Weg von Belgrad nach Zarigrad. Hier beginnt auch die Straße nach Mariza. Damit stellte Pasardshik einen wichtigen Kreuzungspunkt im westlichsten Teil der Tiefebene dar. Die ersten dauerhaften Bewohner waren Tataren, die die Verwaltung und den Schutz des Marktes übernahmen. Sie kamen auf Geheiß des Sultan Bajasid /1481-1512/.
In der zweiten Hälfte des XIX Jh. siedelten sich Bulgaren an und die Stadt wuchs in westlicher Richtung. Es bildete sich der erste bulgarische Stadtteil „Varoscha“.
Im Jahre 1869 gründete Vassil Levski in Pasardshik ein Revolutionskomitee mit Georgi Konsulov als Vorsitzenden. Am 4.Februar 1876 gründete Georgi Benkovski ein weiteres Revolutionskomitee mit dem Vorsitzenden Jakov Matakiev. Der Abgeordnete in Oborischte  war der Lehrer Ivan Sokolov, ein ehemaliges Mitglied der Belgrader Legion.
Am 15.Januar 1878 wurde Pasardshik von der russischen Armee, unter Führung von General Gurko, befreit.
Die Kirche “Hl. Bogorodiza“ /Катедрална църква „Света Богородица“/ (Nr.:35)
Sie wurde 1836-1837 erbaut. Die Legende besagt, das der „Mjudjurat“ /Türkischer Stadthalter/ den Bulgaren erlaubte eine Kirche zu bauen. Sie darf aber nicht größer sein als die Haut eines Ochsen und nicht höher als die Moschee. Daraufhin wurde die Haut in feine Streifen geschnitten und damit eine Figur gelegt, die wie der Boden der Kirche aussah. Das sah der Stadthalter und war so überrascht, daß er keine weiteren Forderungen stellte.
Der größte Teil der Kirche ist, aufgrund der Höhenbeschränkungen, in die Erde eingegraben. Sie wurde mehrfach angezündet und zerstört. In der jetzigen Form wurde sie 1837 vollendet. Der Ikonostas wurde von Meistern der Doberska-Schule unter Leitung von Makrija Negriev Frachkovski geschaffen. Sein Grab befindet sich vor dem Altar der Kirche. Die Wandmalereien sind das Werk von Vertretern der Samokover-Schule. In der Kirche befindet sich auch eine wundertätige Ikone, der man nachsagt, daß sie heilende Wirkung hat.
Nach dem Mittag fuhren wir weiter nach Panagjurische, dem Zentrum des Aprilaufstandes von 1876 und bekannt durch den "Goldschatz von Panagjurischte".
Panagjurischte /Панагюрище/ liegt am Oberlauf der Mariza, 43 Kilometer nördlich von Pasardschik im Sredna Gora Gebirge. Der Name basiert auf dem altbulgarischen Wort, griechischem Ursprungs, „Panagjur“ , welches Messe oder Basar bedeutet. Zu dieser Zeit gab es einen bekannten Basar, der später nach Pasardschik verlegt wurde.  Die Stadt ging aus einem mittelalterlichen Dorf hervor, deren Bevölkerung ,während der Expansion der Türken auf der Balkanhalbinsel, entweder in die umliegenden Dörfer floh oder erschlagen wurde. Nach der Einnahme von Assenovzi (heute Stausee Assenovzi), flohen die Überlebenden nach Veliko Tarnovo. Nachdem auch dieses Gebiet unter türkische Herrschaft fiel, flohen sie auch von dort und als sie 1 Kilometer östlich von Panagjurischte ankamen, wurden sie vom Gesandten des Sultans eingeholt und erhielten das Recht zu bleiben. Eine weitere Niederlassungswelle gab es nach dem albanischen Aufstand von Ivan Kastrioti im XVI. Jahrhundert aus den bulgarischen Grenzgebieten.
Panagjurischte war das Zentrum des 4.Revolutionsbezirks und ein Zentrum des Aprilaufstandes gegen die osmanische Fremdherrschaft im Frühjahr 1876. Am 14. April trat in Oborischte, ca. 10 Kilometer nordwestlich der Stadt, am Südhang des Balkans, eine Versammlung zusammen, die als „Erste bulgarische Nationalversammlung“ in die bulgarische Geschichte einging. Die 64 Delegierten beschlossen, am 26. April den Aufstand auszurufen und loszuschlagen. Ein Denkmal, das 1928 von Janko Pavlov aus weisem Vratza-Stein geschaffen wurde,  erinnert heute an diesen historischen Moment.
Da der Aufstand bereits am 20.April in Koprivschtiza begann, wurde er auch am selben Tag, um 16:10 Uhr im Haus von Ivan Tutev /Тутева Къща/, ausgerufen. Im Tutev-Haus gibt es eine kleine Ausstellung mit der Kopie der Fahne der Aufständischen aus Karlovo. Auf Ihr war die Losung „Bund! An die Waffen!“ aufgestickt. Der Aufstand wurde, nach zwei Wochen erbitterter Kämpfe, durch das zahlenmäßig überlegene und besser ausgerüstete türkische Heer, mit schrecklicher Grausamkeit niedergeworfen, wobei über 30.000 Menschen ihr Leben verloren.  Während der Niederschlagung des Aufstandes wurde die Stadt fast vollständig zerstört und erst nach der Befreiung 1878 wiederaufgebaut.
Das Geburtshaus der Nationalheldin Raina Knjaginja (Nr.:36) , das heutet ein Museum ist,  befindet sich ebenfalls in Panagjurischte. Sie hatte die Fahne für den Aprilaufstand genäht und mit der Losung „Freiheit oder Tod“ bestickt. Die Originalfahne wurde von den Türken zerstört. Im Museum ist eine Kopie zu sehen, die sie 1901, anlässlich der ersten offiziellen Würdigung des Aprilaufstandes, reproduziert hat. Ihre sterblichen Überreste wurden, unter einer Marmorskulptur der Fahnenträgerin, im Garten ihres Hauses, begraben.

Am 08.Dezember 1949 bauten die drei Brüder, Pavel, Petko und Michail Dejkov  Lehm in der Nähe der Dachziegelfabrik „Merul“ ab, als vor ihren Augen ein goldenes Service, mit bizarren Formen, erstrahlte. Sie hatten einen thrakischen Goldschatz gefunden, auch „Goldschatz von Panagjurischte“ genannt. Er stammt aus dem IV./III. Jahrhundert v.u.Z., besteht aus 9 Gefäßen, die aus purem Gold sind und wiegt insgesamt 6,1 kg. Auf zwei Gefäßen ist das Gewicht in griechischen Ziffern angegeben. Der Schatz scheint auf den bedeutenden Thrakischen Herrscher Seuthes III. hin zu weisen. Er illustriert in anschaulicher Weise die Berichte Xenophons über die Sitten und Gebräuche  der Thraker. Eine Kopie des Schatzes, in zweifacher Vergrößerung, ist im historischen Museum ausgestellt.
Von Panagjurischte fuhren wir weiter nach Koprivschtiza. Als wir durch Strelcha /Стрелча/ (14 Kilometer östlich von  Panagjurischte) kamen, sahen wir ein Hinweisschild auf ein Thrakisches Grabmal. Es befand sich nur 5 Kilometer von Strelcha entfernt, deshalb nahmen wir diesen kurzen Umweg gerne in kauf. Vom Parkplatz waren es dann 500m über die Bahnschienen. Einige Bilder dieses Grabmals sind in der Galerie zu sehen.
Als wir in Koprivschtiza ankamen, wurde es bereits dunkel und wir begannen uns nach einer geeigneten Unterkunft umzusehen. Wir fanden ein gemütliches Hotel, "Hotel Panorama", wo wir für ein Apartment 60,00 Leva bezahlten. Leider war das Restaurant, aus familiären Gründen, geschlossen und so gingen wir zum Abendessen in die Altstadt und ließen uns in der "Alten Birne" nieder.



11.10.2007
Am Morgen machten wir einen Rundgang durch die Altstadt und besuchten einige Museen. Für 5 Leva kauften wir eine Kombikarte für alle 5 Museumshäuser (ein einzelnes Ticket kostete 2 Leva).
Koprivschtiza /Копривщица/(Nr.:75) liegt am Oberlauf des Flusses Topolnitza im Sredna Gora Gebirge. Der Ort steht, mit seinen über 250 Häusern aus der Wiedergeburtszeit, unter Denkmalsschutz und war einer der Hauptschauplätze des Aprilaufstandes.
Koprivschtiza entstand zum Ende des Zweiten Bulgarischen Staates. Wahrscheinlich wurde der Ort von Tarnovo-Bojaren gegründet, die nach dem Fall der Hauptstadt (V. Tarnovo) von dort flohen. Ein Beleg dafür ist die Sprachverwandtschaft zum Tarnovoer Gebiet und die Namen der Bojaren; Rodomir, Desimir, Debeljan usw..
Das Dorf wurde 1793 von den „Kardschali“ (entlaufene türkische Soldaten) ausgeplündert und angezündet. Bis 1810 wiederholte sich das Szenario nach zwei Mal. Die meisten Einwohner flohen in größere Städte wie Plovdiv und Kasanlak. Nach dem letzten Brand gab es fast kein unbeschädigtes Haus mehr. Die verbliebenen Bewohner machten sich an den Wiederaufbau und nach und nach wuchs der Ort zu beachtlicher Größe heran. In der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts lebten hier 12.000 Menschen in 1600 Haushalten. Der Handel und das Handwerk blühten auf. Es wurden Brücken, Wasserspender, ein Lesesaal und Kirchen gebaut, sowie eine Schule gegründet.
Am 20.April 1876 wurde, von Todor Kableschkov, der erste Schuß abgegeben und damit der Beginn des Aprilaufstandes ausgerufen. Nach der Niederschlagung wurde der Ort nicht zerstört, wie es zum Beispiel mit Pasardshik und Batak geschah. Wohlhabende Kaufleute und Handwerker kauften ihn den Türken ab und erhielten ihn somit der Nachwelt.
Der  Publizist, Journalist und Revolutionär Ljuben Karavelov wurde in Koprivschtiza geboren. Ein interessantes Exponat, der Ausstellung in seinem Geburtshaus, ist eine Druckerpresse, die er von der Serbischen Staatsdruckerei kaufte. Auf ihr wurden Revolutionsschriften von Botev, Levski und ihm selbst gedruckt. Nach der Befreiung wurde auf ihr die erste bulgarische Verfassung (Tarnovoer) gedruckt.
Als nächste Station stand Klisura auf unserem Programm.
Klisura /Клисура/ liegt am Fuße zweier Gebirge, dem Balkan- und Sredna Gora Gebirge, 25 km nordöstlich von Koprivschtitza.
Klisura ist das Tor zum Tal der Rosen, welches sich von hier bis Kasanlak erstreckt. Die erste Siedlung befand sich 4 Kilometer westlich vom jetzigen Standort entfernt. Währen des XVI. Jahrhunderts wurde der Ort an den heutigen Platz verlegt. Ende des XVIII. Jh. lebten hier rund 9000 Menschen in 1200 Häusern. Die Gegen war sehr gut zur Viehzucht geeignet und damit wurde sie eine Haupteinnahmequelle. Die Weideviehhaltung und der Handel mit Schlachtvieh entwickelten sich stark bis zum Anfang des XIX. Jh.. Eng verbunden mit der Viehhaltung ist ein anderes Handwerk; die Schneiderei. Die Produktion der Klisuraer Schneidermeister wurde nach ganz Europa und Kleinasien exportiert. In der zweiten Hälfte des XIX. Jh. waren die Produkte der billigeren Konkurrenz aus Europa nicht mehr gewachsen. Das Schneiderhandwerk wurde immer mehr durch die Produktion von Rosenöl verdrängt. Heute kommt ein Viertel der bulgarischen Rosenölproduktion aus Klisura.
Die Stadt war ein Zentrum des Aprilaufstandes und die Ruine der Kirche „Hl. Nikola“ erinnert noch heute an die blutigen Gefechte.
Von 1870-1871 besuchte Vassil Levski zweimal den Ort und gründete ein örtliches Revolutionskomitee, das aus 10 Personen bestand. So war bereits der Grundstein gelegt, als am 15. Januar 1876 Panajot Volov und Georgi Benkovski das so genannte „Große Komitee“ formierten. Die Leitung des Aufstandes in Klisura übernahm der ehemalige Lehrer Nikola Karadshov. Auf der Versammlung in Oborischte wurde er zum Sekretär gewählt.  Nach der Niederschlagung des Aprilaufstandes wurde der Ort, bis auf die Grundmauern, niedergebrannt.
Im Historischen Museum (Nr.:77) gibt es eine umfassende Ausstellung zum Aufstand. Hier sind auch die Glocke und die Kanone aus Kirschbaum ausgestellt, die den Aufstand ankündigten.
Nach dem Besuch von Klisura fuhren wir weiter zur, nur 5 Kilometer entfernten, Stadt Sopot. Hier wurde Ivan Vasov geboren.
Sopot /Сопот/ liegt im Karlovo-Tal, einem Teil des legendären Rosen-Tal am Fuße der steilen, südlichen Ausläufer des Trojan-Balkan. Die Stadt befindet sich 5 Kilometer westlich von Karlovo, 136 Kilometer östlich von Sofia und 63 Kilometer nördlich von Plovdiv. Sie ist der Geburtsort von Ivan Vasov, dem Patriarchen der bulgarischen Literatur und seit Jahrzehnten ein Zentrum des Maschinenbaus.
Der Ort datiert aus der Zeit der türkischen Eroberungen. Während der Zeit der Wiedergeburt war die Stadt unter dem Namen „Altan Sopot“ /Goldenes Sopot/ bekannt. Während dieser Zeit entwickelte sie sich zu einem wichtigen Handwerks- und Handelszentrum. Maßgebend dafür waren die Produktion von Wollstoffen, Litze und Leder allerbester Qualitäten.
Während der Kämpfe zur Befreiung Bulgariens (1876-1877) wurde die Stadt niedergebrannt, der größte Teil der Bevölkerung getötet oder verjagt. Von 1950-1965 trug sie den Namen Vasovgrad.
Das Geburtshaus von „Ivan Vasov“ (Nr.:43) befindet sich im zentralen Teil der Stadt, auf dem Platz „Ivan Vasov“. Das Haus wurde jedoch lange vor der Befreiung zerstört und erst 1935  rekonstruiert.
Die nächste Station unserer Reise war die Stadt Karlovo, wo wir das Geburtshaus von Vassil Levski, dem "Apostel der Freiheit" (Nr.:44), besuchten.
Karlovo /Карлово/ liegt im westlichen Teil des gleichnamigen Karlovo-Talkessel, zu beiden Seiten des Flusses Stara Reka. Es befindet sich 145 Kilometer östlich von Sofia und 56 Kilometer nördlich von Plovdiv. Karlovo ist die Geburtsstadt des „Apostels der Freiheit“ und Gründer der Inneren Revoltionskomitees Vassil Levski /1837-1873/. Früher trug sie auch den Namen Strjamska und Gjopsa.
Die ersten menschlichen Spuren in der Gegend stammen aus der Neusteinzeit. Später im VI. Jh. v.u.Z. siedelten sich die Thraker, vom Stamme der Odrysen, an.
Karlovo wurde Ende des XIV. Jh. durch die Türken gegründet. Der Name geht wahrscheinlich auf  Ali Bey, den Sohn von Karl zurück. Seine Blütezeit hatte Karlovo während der Wiedergeburt. Es entwickelten sich über 30 verschiedene Handwerke: Lederverarbeitung, Kupferbearbeitung, Goldschmiedereien, Webereien usw.  In der Mitte des XIX. Jh. wurden die Kirche „Hl. Bogorodiza“/1851/ (hier erhielt Vassil Levski seine Priesterweihe) und die Kirche „Hl. Nikolaj“/1847/ ( hier wurde das erste Mal 1858 der Feiertag des slawischen Schriftentums begangenen ) gebaut. Die Kirchen wurden von Meistern aus Karlovo und Brazigov errichtet. Die Ikonen sind das Werk von Künstlern aus Samokov, Trjavna und Bansko,  unter denen sich auch Stanislav Dospevski und Ivan von Sograf befanden. Von 1953-1962 trug die Stadt den Namen Levskigrad.
Aus Anlaß des 150. Geburtstag von Vassil Levski, wurden 1987 die Plätze, Straßen und ein Teil der alten Gebäude renoviert.
Unser nächstes Ziel war ein thrakische Grabmal bei Starosel. Es ist Bestandteil eines aus 6 Kultstätten bestehenden Kultzentrums.
Die imposanteste Kultstätte wurde im Chetinjov-Hügel gefunden. Die monumentale Architektur macht das Grabmal zum bedeutendsten thrakischen Kultkomplex des klassischen Altertums.
Bei Ausgrabungen, die im Jahr 2000 durchgeführt wurden, wurden eine 240 Meter lange steinerne Umfriedung freigelegt, weiterhin eine Krypta und eine steinerne Treppe. Der Hügel hat eine beeindruckende Fassade sowie mit Reliefs und Ornamenten ausgeschmückte Stufen, die zum Tempel führen.
Am Eingang gab es einst zwei steinerne Löwen, von denen nur noch drei Pfoten gefunden wurden. Der Tempel stammt vom Ende des V. Anfang des IV. Jh. v.u.Z. und man nimmt an, das die Grabstätte dem Odriner Herrscher Sitalk gehört.
Die letzte Station an diesem Tag war Plovdiv. Da es schon langsam dunkel wurde, kümmerten wir uns zuerst um ein Quartier. Viele Hotels waren leider ausgebucht, da gerade ein Kongress in Plovdiv stattfand. Für ein durchschnittliches Apartment mußten wir 86,00 Leva bezahlen. Anschließend sahen wir uns die Altstadt und am nächsten Morgen das historische Museum an.
Plovdiv /Пловдив/ (Nr.:41) liegt an der Maritza und ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens. Sie ist eine der ältesten Städte in Europa; Zeitgenosse von Troja und älter als Rom, Athen und Konstantinopel.
Die Geschichte Plovdivs ist eng mit den thrakischen Stämmen der Bessi und der Odrysen verbunden. Sie errichteten auf den drei Hügeln die erste befestigte Siedlung und nannten sie Evmolija. Im Jahre 342 v.u.Z. wurde der Ort von Phillip II. (Vater von Alexander dem Großen) beherrscht. Er ließ eine Stadtmauer errichten und nannte den Ort Philippopholis (Stadt des Phillip). Die mazedonische Herrschaft dauerte jedoch nur ein halbes Jahrhundert und nach dem Tod von Alexander dem Großen kam es zum Aufstand.
Von Seuthes III. wurde das thrakische Königreich wieder hergestellt. Durch die Uneinigkeit der thrakischen Stämme konnte die Stadt 278 v.u.Z. von den Kelten zerstört werden. Zwischen dem III. Jh. und dem V. Jh. wurde die Stadt zwei weitere Male zerstört, einmal durch die Goten und dann durch die Horden von Attila dem Hunnenkönig.
Über zwei Jahrhunderte dauerte die Unterwerfung der thrakischen Territorien durch die Römer. Erst 72 v.u.Z. wurde das gesamte Gebiet um die Maritza eingenommen und somit auch die Stadt. Sie erhielt, von den Römern, den Namen Trimontium (Stadt der drei Hügel). Trimontium wurde später, im II.-III. Jh., Hauptstadt der römischen Provinz „Thrakia-Romana“ und erhielt das Recht Steuern zu erheben, Zölle zu verlangen und besaß eine eigene Münzprägerei. In dieser Zeit erreichte die Stadt seinen ökonomischen und kulturellen Höhepunkt. Es wurden eine Reihe öffentlicher Gebäuden errichtet, Bäder, Stadien und Theater. Sie wuchs über die drei Hügel hinaus und dehnte sich bis ins Tal aus. Es wurde eine neue Stadtmauer errichtet, die jetzt die gesamte Stadt umschloß. Es gab ebenfalls eine moderne Wasserversorgung und Kanalisation. Während der Kreuzzüge wurde Plovdiv zwei Mal zerstört. Bis zur Einnahme durch die Türken wechselte die Herrschaft alleine 15 Mal. Die Plovdiver Garnison leistete den türkischen Truppen erbitterten Widerstand und konnte etliche Attacken zurückschlagen. Die Türken entdeckten jedoch einen Teil der Wasserversorgung beim Dorf Markovo und unterbrachen sie. So konnten sie 1364 die Stadt einnehmen und sie erhielt den Namen Filibe. Im Zentrum des osmanischen Imperiums verlor Plovdiv seine Bedeutung als Festungsstadt. Sie entwickelte sich jedoch zu einem wichtigen ökonomischen Zentrum und wurde eine Stadt der Händler und Handwerker.
Die Nationale Widergeburt erweckte auch den bulgarischen Geist. Es wuchs eine bulgarische Mittelschicht heran, die einen immer stärkeren Einfluß auf die Gesellschaft erlangte. Durch den Handel mit Europa und Russland war sie offen für moderne politische und kulturelle Anschauungen. Plovdiv spielte eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung der bulgarischen Bildung. 1839 wurde hier die erste bulgarische Schule gegründet. Weiterhin wurden hier die erste Druckerei und der erste Verlag gegründet. Am Abend des 16.01.1878 wurde Plovdiv von der osmanischen Fremdherrschaft befreit.



12.10.2007
Der nächste Tag fing mit Dauerregen an und so beschlossen wir, nach dem Besuch des historischen Museums, Plovdiv zu verlassen und weiter nach Stara Sagora zu fahren. Der Regen hörte schnell auf und je weiter wir nach Osten kamen, umso mehr verzogen sich die Wolken. In Stara Sagora wollten wir das historische Museum besuchen, es war jedoch wegen Umbau geschlossen. Nach einem Stadtrundgang ließen wir uns in einem Restaurant zum Mittag nieder.
Stara Sagora /Стара Загора/ (Nr.:90) liegt im östlichen Teil der Oberthrakischen Tiefebene. Sie ist 220 km von Sofia entfernt.
Die Stadt ist eine der ältesten in Osteuropa. Ein Beweis dafür sind die 8 verschiedenen Namen: Beroe, Avgusta Trajana, Irinopolis, Boruj, Vereja, Eski Saara, Shelesnik und Stara Sagora. Ihre Geschichte beginnt mit Neolithischen Wohnhäusern aus dem VI.-V. Jh. v.u.Z.. Das nahe Kupferbergwerk ist das älteste in Europa.
Die heutige Stadt wurde von den Thrakern gegründet und trug den Namen Beroe – wahrscheinlich bedeutet dieser Name auf thrakisch Eisen, denn schon im Altertum wurde hier Eisen abgebaut.
Der römische Imperator Trajan baute sie aus und gab ihr seinen Namen – Ulpia Avgusta Trajana. Stara Sagora hatte zu dieser Zeit das Recht eigene Münzen zu prägen, dieses Recht hatten nur die großen ökonomischen Zentren des römischen Reiches.
Das erste Mal gehörte die Stadt 717 zum bulgarischen Staatsgebiet, nachdem Khan Tervel Konstantinopel half das 30.000 Mann starke arabische Heer zu besiegen. Die Bulgaren nannten sie daraufhin Boruj (wahrscheinlich eine Ableitung von Beroe oder vom altbulgarischen Wort „boru“ – Festung). In der Folge war die Stadt wiederholt unter byzantinischer und bulgarischer Führung.
1372 eroberten die Türken den Ort, der im weiteren Verlauf eine strategische Rolle, bei der Einnahme der verbliebenen bulgarischen Gebiete des Tarnovoer Zarenreiches, spielte. Die Osmanen sahen das gewaltige Erbe an historischen Bauwerken der verschiedensten Kulturen und nannten den Ort daraufhin Sagra Atik – Antikes Sagora. Später wurde der Name abgewandelt Eski Sagra – Altes Sagora.
Einen Höhepunkt im Kampf gegen die osmanische Fremdherrschaft stellt der Aufstand von 1875, unter Führung von Koljo Ganchev,  dar. Während des Befreiungskrieges wurde die Stadt mehrmals von türkischen Freischärlern angezündet. Es wurden 5000-14000 Bewohner getötet und Tausende verließen den Ort für immer. Das waren die tragischsten Momente, die Stara Sagora durchleben musste.
Wiederholt wurde der Ort niedergebrannt, jedoch immer wieder neu aufgebaut. Der letzte Wiederaufbau erfolgte nach dem Brand von 1878, mit langen rechtwinkligen Straßen. Am 5.Oktober 1878 wurde der erste Stein gesetzt und deshalb ist dieses Datum zum Feiertagvon Stara Sagora erklärt worden.
Wir wollten eigentlich über Kasanlak wieder nach Sofia zurück fahren, wurden jedoch gefragt, ob wir auch noch in Jambol zum Geburtstag vorbeikommen und nach kurzem "Kriegsrat" änderten wir unsere Pläne und so ging es weiter nach Sliven. Als wir in Sliven ankamen, suchten wir zuerst das Haus von Chadschi Dimitar auf. Da noch Mittagspause war, sahen wir uns erst einmal die nähere Umgebung an. Nach der Besichtigung des Hauses fuhren wir zur Sesselliftstation "Sliven-Karandila" im Naturpark "Sinite Kameni" (Die blauen Steine). Da das Wetter noch gut war, fuhren wir mit dem Lift von der Talstation (390 Meter) zur Bergstation (987 Meter). Die Fahrt dauerte ca. 18 min.. Nach einem kurzen Rundgang entschlossen wir uns jedoch wieder ins Tal zu fahren, da das Wetter schlechter wurde.
Sliven /Сливен/ liegt im Osten der Oberthrakischen Tiefebene, am Fuße des Balkan. Die Stadt ist 279 km von Sofia und 70 km von Stara Sagora entfernt.

Spuren der ersten Siedlung stammen bereits aus den VI. Jahrtausend v.u.Z.. Später siedelten sich hier die Thraker an. Sie stammten von verschiedenen Stämmen – Asti, Kabileti und Seleti. Ihre Unabhängigkeit dauerte bis zur Zeit von Philipp von Mazedonien und Alexander dem Großen. Während des II. Jh. v.u.Z. begann die Eroberung der nordöstlichen thrakischen Gebiete durch die Römer. Das Gebiet um Sliven wurde wahrscheinlich um 72-71 v.u.Z. Teil des römischen Imperiums. Im Jahr 46 v.u.Z. wurden die Siedlungen in die neugeschaffene römische Provinz Thrakien eingegliedert.
Inschriften aus dem III. Jh. nennen den Ort „Tarshischte“. Nachdem die Hauptstadt des römischen Imperiums nach Konstantinopel verlagert wurde, erhielt der Ort eine Stadtmauer. Die starken Mauern hielten dem Angriff der Goten 378 stand. Sie wurden jedoch von den Hunnen im V. Jh. zerstört.
Die Stadt wurde 705 Teil des Ersten Bulgarischen Staates und gehörte zum Gebiet von Sagora. Sie bestand auch nach dem Niedergang des Ersten Bulgarischen Staates weiter.
Der Name Sliven wurde das erste Mal 1153 vom arabischen Reisenden Idrisi erwähnt. Währen der Zeit des Zweiten Bulgarischen Staates wurden in der Gegend eine Reihe von Klöstern errichtet. Nach der Eroberung durch die Türken wurden die mittelalterliche Stadt und die Stadtmauer zerstört. Die  Klöster wurden 1388 niedergebrannt. In türkischen Registern von 1609 und 1668 wird Sliven unter dem Namen Islimie geführt. Hier war der Mittelpunkt starker Haiduken-Bewegungen gegen die osmanischen Besetzer. Deshalb wird sie auch „Stadt der hundert Vojvoden“ genannt. In Sliven wurden unter anderem Cherno Pechliva, Damjan Vojvoda und Hadshi Dimitar (Nr.:54) geboren.
Während des XVII. Jh. entwickelten sich verschiedene Handwerke. Die Stadt wurde bekannt durch die Produktion von Gewehren, Pistolen und Eisenwerkzeugen für Landwirtschaft,  Handwerk und Haushalt. In 100 Werkstätten wurden monatlich 500 Läufe für Pistolen und Gewehre gefertigt.
1836 wurde die erste Fabrik auf der Balkanhalbinsel errichtet – die Textilfabrik von Dobri Sheljaskov. Die zweite Textilfabrik wurde 1864 erbaut und 1872 eine Tabakfabrik sowie eine Brennerei.
Während des Aprilaufstandes von 1876 war Sliven das Zentrum des „Zweiten Revolutionsbezirkes“. Die Führer waren Ilarion Dragostinov, Stoil Vuchkov, Georgi Obretenov und Georgi Ikonomov. Zum Fahnenträger wurde Stefan Sertkostov ernannt. Die Fahne der Aufständischen wurde von Petrana Obretenova genäht. Am 4.Januar 1878 wurde Sliven von der russischen Armee befreit.
Die letzte Station an diesem Tag sollte dann Jambol sein. Da wir relativ früh ankamen machten wir noch einen Abstecher zur alten thrakischen Königsstadt Kabile. Am Abend war der Tisch zum Geburtstag reichlich gedeckt und von dem hervorragenden Rakija konnte ich auch noch eine Flasche mit nach Hause nehmen.
Jambol /Ямбол/ liegt im Süd-Osten der Oberthrakischen Tiefeben, zu beiden Seiten der Tundsha.
Das Gebiet war schon seit dem Altertum bewohnt. Davon zeugen über 30 verschiedene Siedlungsreste in und um Jambol. Die Geschichte der Stadt begann bereits vor der Gründung des Ersten Bulgarischen Staates, als 293 der Imperator Dioklezian durch das Gebiet kam und hier verweilte. Überwältigt von der Natur und den guten Bedingungen gründete er die Stadt – Diospolis /Stadt des Zeus/.
Während seiner langen Geschichte trug Jambol eine Vielzahl verschiedener Namen: Diospolis, Dampolis, Djampolis, Hiampolis, Dinibuli, Dabilin, Dubilin, Diamboli, Jambolu und Jamboli.
Die Einwohner waren eine der Ersten, die den osmanischen Eroberern mit entschiedenem Widerstand entgegentraten. Trotz starker Gegenwehr wurde der Ort 1373 eingenommen. Ein Teil der eindrucksvollen Festungsmauern und der Türme des mittelalterlichen Jambol sind bis heute erhalten geblieben. Aus der Zeit der osmanischen Fremdherrschaft sind auch zwei architektonische Denkmäler des XV. Jh. erhalten. Der Besisten – ein überdachter Markt und die Eski-Moschee.
Jambol wurde im Januar 1878 von der russischen Armee befreit. Zum Andenken daran wurde auf dem Gipfel Bakadshik ein Denkmal „HL. Alexander Nevski“ errichtet und geweiht. Es ist das erste Denkmal der bulgarisch-russischen Freundschaft in Bulgarien.
Kabile /Кабиле/ (Nr.:99), die alte thrakische Königsstadt, liegt ca. 9 Km von Jambol entfernt. Sie wurde im IV. Jh. v.u.Z. von Philipp von Mazedonien und im II. Jh. von den Römern erobert.

Der Tempel der Antiken Stadt befand sich auf einem Plateau des „Sajchi-Vrah“ – /Hasen Gipfel/. Fragmente antiker Keramikgefäße werden heute noch an den steilen Hängen gefunden. Vom Gipfel hat man einen herrlichen Blick über die Thrakische Tiefebene und das Tundsha-Tal. Der Name der Stadt Kabile ist verbunden mit der Göttin Kibela, die im Tempel von den Thrakern verehrt wurde.
Der Beginn des organisierten städtischen Lebens begann mit der Eroberung durch Philipp von Mazedonien im IV. Jh. v.u.Z.. Beweise dafür sind Münzenfunde mit den Bildnissen der Eroberer und Amphoren für den Weinhandel mit den Inseln Hios und Tassos. Im III. Jh. v.u.Z. wurden Münzen mit dem Abbild der Statue der Göttin Artemida Phosphoros – dem Symbol der Stadt - geprägt. Die Einwohner schafften die Königsmacht ab und ersetzten sie durch  einen Stadtrat.
Nach der Eroberung durch die Römer 72 v.u.Z. blühte die Stadt auf und wurde zu einem Militär-, Transport- und Handelszentrum der römischen Provinz Thrakien. Die Ruinen von römischen Bädern, öffentlichen Gebäuden, Kasernen, Stadttoren und Festungsmauern beeindrucken mit ihren Ausmaßen. Die monumentale, dreischiffige Basilika mit Mosaikfußboden und die Kleinere, einschiffige mit einem Taufbecken stammen aus dem IV. Jh.. Sie sind Zeitzeugen des frühen Christentums. Kabile wurde 583 von den Awaren eingenommen und zerstört. Aus dieser Zeit datiert ein Schatz, bestehend aus 64 goldenen Münzen.



13.10.2007
Der letzte Tag unser Reise war angebrochen und es ging zurück nach Sofia. Den ersten Zwischenstopp legten wir in Kasanlak ein, um uns das weltbekannte Thrakische Grabmal anzusehen.
Kasanlak /Казанлък/ liegt im Rosental nördlich von Stara Sagora zwischen dem Balkan- und dem Sredna Gora Gebirge.
Bereits in der Neusteinzeit (VI.-V- Jahrtausend v.u.Z.) war das Gebiet besiedelt. Später folgten die Thraker. Über 1500 Hügelgräber und Reste von thrakischen Dörfern belegen die Annahme, daß das Tal sehr dicht besiedelt gewesen sein muß.  Die Stadt des Seuthes III. -  Seuthopolis, wurde nur 10km entfernt, beim Bau des Stausees „Koprinka“, entdeckt. Sie war die Hauptstadt des Odriner Staates zum Ende des IV., Anfang des III. Jh. v.u.Z..
Bei den Ausgrabungen wurde eine Marmorplatte mit einem Vertrag zwischen Thrakern und Mazedoniern gefunden. Das ist das erste offizielle Dokument eines Thrakischen Herrschers, welches in Bulgarien entdeckt wurde. Nach den Thrakern eroberten die Römer das Gebiet und des erste Mal wurden Rosen zur Rosenölgewinnung angebaut. Vereinzelt bauten auch die Thraker schon Rosen an (auf einer Thrakischen Münze ist eine Rose abgebildet) aber erst die Römer bebauten große Felder.
Nach dem 30-jährigen Vertrag zwischen Khan Omurtak und Byzanz im Jahr 815 gehörte das Gebiet zum Ersten Bulgarischen Staat.
Ca. 1370 folgte die Eroberung durch die osmanischen Türken. Es entwickelten sich verschiedene Handwerke wie Hut- und Mützenmacherei, die Pelzverarbeitung und viele Andere. Später siedelten sich die ersten Bulgaren an – Flüchtlinge aus Koprivschtiza, Kalofer, Karlovo und anderen Balkanstädten. Während der Zeit der Wiedergeburt gab es über 50 verschiedene Handwerke und in der ersten Hälfte des XIX. Jh. arbeiteten hier über 2400 Meister und Gesellen. Am entwickelsten waren die Kupferbearbeitung, die Faßherstellung und das Schlosserhandwerk. In Kasanlak wurde die erste Klosterschule der Region und die erste Hauptschule gegründet, die eng mit Neofit Rilski verbunden ist -  einem bedeutenden Aufklärer während der Zeit der osmanischen Fremdherrschaft. Der erste Lesesaal öffnete 1860 und er Lesesaal „Iskra“ 1873.
Das Thrakische Grabmal  /Тракийската гробница/(Nr.:91) wurde Ende des IV., Anfang des III. Jh. v.u.Z. errichtet. Das thrakische Kuppel-Grab ist ein Beweis des  Anteils der Thraker an den kulturellen Schätzen der Welt. Es ist das Älteste Europas und das Einzige mit vollständig erhaltenen Wandmalereien. Im Korridor sind Schlacht- und in der Grabkammer Begräbnisszenen und die symbolische Verabschiedung des verstorbenen Herrschers, welcher von drei Streitwagen begleitet wird, zu sehen. Diese Meisterleistung der Architektur und Malerei sind ein lebendiger Ausdruck  für den Glauben der thrakischen Könige an die Unsterblichkeit.

Das Grabmal wurde 1979 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Um den guten Zustand zu erhalten, wurde die Besucherzahl stark eingeschränkt. Neben dem originalen Grab wurde eine Kopie erbaut, die auch besichtigt werden kann.

Auf dem Weg nach Sofia war Kalofer, der Geburtsort des Poeten und Revolutionärs Hristo Botev, die letzte Station.
Kalofer /Калофер/ liegt am Fuße der südlichen Ausläufer des Balkan (Stara Planina). Bis nach Sofia sind es 164 km.
Die Legende besagt, das  der Ort in der Mitte des XVI. Jh. von einer Gruppe Hajduken gegründet wurde. Ihr Anführer war der Vojvode Kalifer. Sie beherrschten das gesamte Gebiet und überfielen alle durchziehenden türkischen Karawanen. Da die Türken sie nicht ergreifen konnten, bot der Sultan ihnen an, sich hier niederzulassen, wenn die Überfälle unterbleiben. Die Hajduken nahmen dieses Angebot an und so entstand der Ort Kalofer. Weiter besagt die Legende, das die Männer keine Frauen hatten und sie deshalb aus dem nahen Sopot „stahlen“.
In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Stadt zu einem wichtigen Kultur- und Handelszentrum heran. Die Bewohner erlangten Wohlstand, daher wurde Kalofer auch Altin Kalofer - Goldenes Kalofer -  genannt.
Der bekannteste Sohn der Stadt ist der Poet und Revolutionär Christo Botev. Das Haus seines Vaters (Nr.:45) befindet sich im Botevaer-Stadtpark. Im Park gibt es eine Ausstellung mit einer umfangreichen Dokumentation über das Leben der Familie Botev mit vielen persönlichen Dokumenten und Gegenständen.
Nach dem Besuch von Kalofer ging es, ohne weitere Zwischenstationen, nach Sofia zurück und gegen 15:00 Uhr kamen wir dort an. Der Nachmittag verlief gemütlich und nach letzten Einkäufen, Lukanka und Zigaretten, wurden die Rakijaflaschen ordentlich im Gepäck verstaut.


14.10.2007
Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden noch einmal alle Sachen inspiziert. Da der Flieger erst 15:30 Uhr startete, gab es natürlich auch noch Mittagessen. Am Flugplatz gab es beim Einchecken keinerlei Probleme. Die Tasche hatte exakt 19,7 Kilogramm. Der Abflug war pünktlich und 18:00 Uhr landete ich in Frankfurt.
© Fank Roloff, letze Änderung am 05.10.2021
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