Reisebericht Oktober 2005 - Bulgarien

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Impressionen
Oktober 2005
08.10.2005 - 13.10.2005


Abflug am 08.10.2004 vom Flughafen Frankfurt/Main mit der Boeing 737-300 um 19:00 Uhr. Es gab keine Verspätung und so kam ich um 22:15 Uhr pünktlich auf dem Flughafen Sofia an.
Der Tisch war wieder reichlich gedeckt und an Schlaf noch nicht zu denken.


Am 09.10.2005 ging es weiter nach Blagoevgrad. Die Stadt liegt im Südwesten und hat ungefähr 80 000 Einwohner. Bis Griechenland und Mazedonien ist es nicht weit und bis Sofia sind es auch nur 100 Kilometer. Durch Blagoevgrad verlaufen die internationale Autoverbindung E79 und eine Eisenbahnverbindung, welche den zentralen europäischen Teil mit Griechenland verbindet.
Die Stadt hat lange kulturelle und geschichtliche Traditionen. Die ersten Spuren menschlicher Siedlungen stammen aus dem X. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

In Blagoevgrad befinden sich zwei Universitäten: Die "Süd-West Universität - Неофит Рилски" und die erste in Osteuropa gegründete "Amerikanische Universität".


Aus Blagoevgrad kommt auch das Ensemble für Volkslieder und -Tänze "Pirin", welches Träger mehrerer nationaler und internationaler Auszeichnungen ist.
Das besondere Interesse der Besucher findet das "Wiedergeburts-Quartal Varoscha " mit seiner einmaligen Architektur.




Am 10.10.2005 wieder die obligatorische Anmeldung bei der Polizei. Es gab keine Probleme und in 10 Minuten war alles erledigt. Bei der Ausreise wollte aber niemand diese Anmeldung sehen.
Nach der Anmeldung durfte ich mir dann die Zigarettenproduktion ansehen, von der Anlieferung des Tabaks bis zur fertigen Zigarette.

Am Abend gab es ein Konzert im Stadion unter dem Motto "Gott schütze Bulgarien". Die Musik variierte von Volksmusik bis Chalga. Zum Abschluß gab es ein Feuerwerk



Am 11.10.2005 ging es dann los in Richtung Kardschali. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Abstecher zum Geysir in Sapareva Banja. Die ganze Zeit nieselte es leicht und so hielten wir uns auch bei den "Steinpilzen" nur kurze Zeit auf. Unser Ziel war der Ort Glavatarzi. Da keine Hinweisschilder vorhanden waren, mußten wir öfters nach dem Weg fragen. Anscheinend war aber keiner der Anwohner mit dem Weg vertraut und so wurden wir immer wieder in die falsche Richtung geschickt. Nach ca. 1 Stunde kamen wir dann doch endlich an. Wir nahmen uns ein Zimmer im "Glavatarski Han"(das Doppelzimmer kostete 53 Leva) und erkundeten dann bei einem Spaziergang den Ort. Er liegt genau am Kardschli-Stausee und besteht eigentlich nur aus Hotels. Das kleinste ist ein Familienhotel mit drei Zimmern. Am Abend machten wir es uns im Restaurant gemütlich.


Am 12.10.2005 starteten wir nach dem Frühstück um eine nahe gelegene Höhle zu besuchen. Es dauerte eine Weile, bis wir das Hinweisschild fanden. Leider konnten wir der Höhle keinen Besuch abstatten, da ein Fußmarsch von 4 Stunden nötig gewesen wäre und unser Zeitplan das nicht zuließ. Also ging es über Kardschali weiter zum Perperikon.
Perperikon /Перперикон/ (Hyperperakion oder Perperakion), die heilige Stadt der Thraker, befindet sich auf einem steinernen Hügel ca. 20 Kilometer nordöstlich von Kardschali und wurde vor 8 Tausend Jahren gegründet. Seit 2000 wurde mit umfangreichen Ausgrabungen begonnen, die nach und nach die Dimensionen dieser grandiosen Felsenstadt freilegen. Während der Römerzeit nahm die Stadt eine Fläche von mehreren tausend Quadratmetern ein. Auf dem Gipfel erhob sich ein gigantischer Tempel umgeben von Wohnvierteln, Palästen und Kultstätten. Die untersten Etagen wurden direkt aus dem Felsen geschlagen. Hier wurde Alexander dem Großen weisgesagt, daß er die Welt beherrschen wird und die Römer erkannten, daß sie ein Imperium errichten werden.

Nach der Besichtung der Heiligen Stadt der Thraker ging es nach Tatul zum "Heiligtum (Tempel) des Orpheus".
Das Heiligtum (Tempel) des Orpheus ist die dritte bedeutende Kultstätte in den östlichen Rhodopen und befindet sich 20 Kilometer südlich von Perperikon, in der Nähe des Dorfes Tatul. Um mit dem Auto von einem zum anderen Ort zugelangen, muß man leider einen Umweg über Kardschali machen, da heute der Stausee "Studen Kladenez" die früher vorhandene Verbindung unterbricht. Zur Zeit der Traker legten diese den Weg von Perperikon nach Tatul in 3-4 Stunden zurück. Auf dem Gipfel befindet sich ein viereckiger, aus dem Stein gehauener Sarkophag, der einmal mit einem Deckel versehen war. Der Legende nach ist dies das Grab des Orpheus. Seitlich, im östlichen Teil, befindet sich ein weiterer, aus dem Stein gehauener Sarkophag. Zwischen beiden Kammern gibt es eine Verbindung, durch die man eine unbekannte Flüssigkeit von der oberen in die untere Kammer laufen ließ. Die Gräber wurden bereits im Mittelalter durch Grabräuber geplündert.
Nach dem Besuch des Grabes von Orpheus ging es weiter nach Zlatograd.
Zlatograd /Златоград/ ist die südlichste Stadt Bulgariens. Sie ist das administrative Zentrum der Gemeinde Zlatograd und gehört zum Smoljansker Gebiet. In der historischen Altstadt - aus der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhundert - befinden sich eine Reihe kleiner Werkstätten, in denen die Handwerker alte Handwerkskunst neu beleben. Hier werden einzigartige Messer, Säbel und Sattlererzeugnisse hergestellt, wie sie nirgendwo anders in Bulgarien zu finden sind. Hier gibt es einen Goldschmied, einen Holzschnitzer usw. In der Altstadt gibt es ein Hotel mit 20 Betten (eine Übernachtung ab 12,00 Leva pro Bett).
Nach einer Stärkung ging es weiter zu unserer letzten Station an diesem Tag - Die Teufelsbrücke. Da es schon begann dunkel zu werden, fuhren wir mit dem Auto direkt bis zur Brücke. Die letzten 5 bis 6 Kilometer gab es nur einen schlecht ausgebauten Waldweg.
Die Teufelsbrücke /Дяволския мост/ befindet sich in der Nähe von Ardino (ca. 10 Kilometer entfernt). Die Brücke war Teil einer alten Handelsstraße. Der Fluß ist an dieser Stelle gerade so breit, das der Teufel von einem zum anderen Ufer springen konnte - daher der Name Teufelsbrücke (so besagt es zumindest die Überlieferung). In den Rhodopen befinden sich noch eine Reihe weiterer Steinbrücken.
Als wir wieder nach Ardino /Ардино/ zurückkamen suchten wir ein Hotel, konnten aber kein freies Zimmer bekommen. Der Wirt vom Hotel EMONA besorgte uns dann ein Zimmer in einem 6 Kilometer entfernten Hotel (Doppelzimmer 22,00 Leva). Dort gab es zwar freie Zimmer aber das Restaurant wurde noch gebaut. So haben wir im Emona Abendbrot gegessen und auch einige Rakija getrunken. Unser Auto konnten wir am Hotel stehen lassen, da uns der Sohn des Wirtes zu unserem Quartier brachte. Am nächsten Morgen wurden wir vom Hotelbesitzer persönlich wieder nach Ardino gefahren.

                          
             Unser Hotel                                                                    Blick auf Ardino von unserem Hotel aus


Am 13.10.2005 starteten wir nach dem Frühstück nach Pamporovo (Karte). Der Ort ist ein beliebter Wintersportort mit diversen Skipisten. Überall wird gebaut und eine Vielzahl neuer Hotels entstehen. Ob diese jedoch bis zum Saisonstart alle fertig sein werden ist ungewiß.
Weiter ging es zu den "Chudnite Mostove" (Wundervollen Brücken). Hier konnten wir zwei Naturfelsenbrücken bewundern und unvergessliche Aufnahmen machen.
Die nächste Station war das Bachkovo-Kloster.
Das Bachkovo Kloster /Бачковски манастир/ ist das zweitgrößte Kloster Bulgariens. Es befindet sich in der Nähe der Stadt Assenovgrad und wurde 1083 von den grusinischen Brüdern Grigori und Apassi Bakuriani gegründet. Das Kloster trug zu Beginn den Namen Petrichki, so wie die Festung die sich unweit davon befand. Das Kloster durchlebte stürmische Zeiten und wurde mehr als einmal überfallen und geplündert. Im XII. Jahrhundert, während der Zeit des 2. Bulgarischen Staates, unter der Herrschaft von Zar Ivan Alexander (zweiter Stifter des Klosters ) blühte das Kloster von neuem auf. Eine wichtige Zeit für das Kloster ist das Ende des XIV. Jahrhunderts, als Bulgarien unter die Herrschaft der Osmanen geriet und der letzte bulgarische Patriarch Eftimi hierher verbannt wurde. Die äußeren Gebäude bilden ein Rechteck mit einem großen Innenhof. In diesem befinden sich drei Kirchen. Die Kirche St. Trojza (erbaut 1604), St. Archangels aus dem XII. Jahrhundert und die Kirche St. Nikola (erbaut 1834-1837). Die älteste Kirche, die St. Archangels ist einschiffig und mit einer Kuppel versehen. Sie ist ausgeschmückt mit Wandmalereien des bekannten Künstlers Sahari Sografski. Der Speisesaal wurde im Jahre 1643 aus Natursteinen und Ziegeln errichtet und ebenfalls mit kostbaren Wandmalereien ausgeschmückt. Die Wandmalerei im nördlichen Teil des Speisesaales wurde 1843 ebenfalls von Sahari Sografski ausgeführt und stellt eine Gesamtansicht des Klosters und seiner Umgebung dar.
Die letzte Station unserer Rhodopenreise war die Assen-Festung.
Die Assen Festung /Асенова крепост/ wurde Ende des XI. Jahrhunderts erbaut und trug den Namen Petrichki (siehe Bachkovo-Kloster). Sie wurde in den Jahren 1230/31 vom Zaren Ivan Assen II. weiter befestigt und ausgebaut und erhielt daraufhin den Namen Assenova-Festung. Während der bulgarisch-byzantinischen Kriege vom XII. - XIV. Jahrhundert spielte sie eine strategisch wichtige Rolle für die Kontrolle der Straße von Plovdiv an die Ägäis. Erhalten ist heute nur noch die Kirche aus dem XII. Jahrhundert "Sveta Bogorodiza Petrischka" und einige Reste der Befestigungsanlagen.


Mit dem Besuch der Assenova-Festung endete unsere kurze Rhodopenrundreise. Am Abend waren wir wieder in Blagoevgrad und am 15.10.2005 startete die Boeing 737, um mich wieder nach Frankfurt zurück zu bringen.
© Fank Roloff, letze Änderung am 05.10.2021
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