Reisebericht Juni 2008 - Bulgarien

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Impressionen
Juni 2008
13.06.2008 - 22.06.2008


Aflug am 13.06.2008 vom Flughafen Frankfurt/Main um 15:05 Uhr. Pünktlich 18:15 Uhr landete die Maschine in Sofia und nach kurzer Wartezeit war auch schon das Gepäck da.


14.06.2008
Am Abend trafen wir uns in der Nähe der Eissporthalle im Studentenstädtchen in Sofia zu unserem Klassentreffen. Nach 20 Jahren konnten wir immerhin 22 Personen von ca. 30, die in unserer Gruppe waren, zählen. Die Tische waren schon gedeckt und gegen einen Unkostenbeitrag von 15,00 Leva pro Person machten wir es uns gemütlich. Nach ausgiebigem Abendessen statteten wir der Disco Plazza einen Besuch ab. Die Eingangskontrolle erinnerte sehr ans Einchecken auf dem Flugplatz. Der Eintritt betrug 5,00 Leva. Für den Heimweg am frühen Morgen nahm ich mir ein Taxi.


16.06.2008
Gegen Mittag packte ich meine Sachen zusammen und wir fuhren nach Blagoevgrad. Unterwegst machten wir einen Abstecher zum Geysir in Sapareva Banja.
Am Abend setzten wir uns in eine gemütliche Gaststätte an der Bistriza und sahen uns das Fußballspiel an.



17.06.08 und 18.06.2008
Am Dienstag und Mittwoch sind wir in Blagoevgrad geblieben und haben uns das "Wiedergeburts-Quartal Varoscha" angesehen und uns ausgeruht. Am Mittwoch sind wir zum Abendessen in die Mühle gegangen. Für einen großen Sach (Сач) mußten wir nur 10,00 Leva bezahlen.

                                


19.06.2008
Am Donnerstag sind wir nach Rupite gefahren, wo es heiße Mineralquellen gibt. Nach einem Abstecher zum Schwimmbecken haben wir uns das Wohnhaus der Oma Wanga (Баба Ванга) angesehen.

Баба Ванга - Sie wurde 1911 geboren und war eine bulgarische Wahrsagerin und Heilerin. Sie verlor durch "höhere" Mächte im Alter von 12 Jahren bei einem plötzlichen Sturm ihr Augenlicht.
Ihre Voraussagen waren von absoluter Genauigkeit und deshalb wird sie oft mit dem berühmten amerikanischen Propheten Edgar Casy verglichen. Während ihrer Seancen fiel sie weder in einen tranceähnlichen Zustand noch stand sie unter Hypnose.
An manchen Tagen empfing sie mehr als 100 Besucher und antwortete auf die unterschiedlichsten Fragen. Ihre Gabe machte sie physisch stark und ausdauernd, deshalb schlief sie nur sehr wenig und ernährte sich kärglich. Wanga selbst schätzte ihre hellseherische Fähigkeit als eine Gabe Gottes ein, durch die sie für das große Leid entschädigt wurde, das sie als blinder Mensch auf der Erde zu ertragen hatte. Sie war eine streng gläubige, orthodoxe Christin und führte ein bescheidenes Leben.
Wanga starb 1996 im Alter von 86 Jahren. Ihr Haus wurde nach Ihrem Tode versiegelt und das Ministerium für Finanzen muß eine Entscheidung treffen, um das Anwesen als Museeum einrichten zu können.

Von Rupite fuhren wir weiter nach Melnik. In den letzten Jahren sind einige Häuser wieder aufgebaut worden. Nach einem Rundgang durch die Stadt ließen wir uns im Weinkeller nieder und verkosteten einige Sorten Rot- und Weiswein. Da wir noch genug Zeit hatten, statteten wir dem Roschen Kloster noch einen Besuch ab.

Melnik /Мелник/ liegt am südwestlichen Fuße des Piringebirges in einer wundervollen Landschaft auf einer Höhe von 437 Metern und ist nur 22 Kilometer von Sandanski entfernt. Hier herrscht ein fast Mittelmeer typisches Klima mit begrenzten Niederschlägen im Sommer. Durch den Ort fließt der "Melniker Fluß" - ein Seitenarm der Struma. Das Roschen Kloster ist 7 Kilometer entfernt und es führt ein Wanderweg dorthin, der an den "Melniker Pyramiden" vorbeiführt. Melnik wurde das erste Mal, im Zusammenhang mit der Schlacht bei Belasitza, nach der der Ort zu Byzanz gehörte, in Aufzeichnungen aus dem XI. Jahrhundert erwähnt. Als Grenzstadt zwischen Bulgarien und Byzanz wechselten die Besitzer im Laufe der Jahre sehr oft. In den ersten Jahren des XIII. Jahrhunderts wurde Aleksej Slav der Herrscher über die Westlichen Rhodopen und Melnik seine Hauptstadt. Daraufhin wurde die Stadt mit einer Mauer versehen. In der Mitte des XIII. Jahrhnderts wurde die Stadt Teil des "Nikeer Imperium". Sowohl von Zar Kalojan und auch vom byzantinischen Imperator wurden mehrmals ganze Familienclans hierher verbannt. Dadurch änderte sich häufig die Zusammensetzung der Bevölkerung und auch die Baustile. Viele der byzantinischen Häuser wurden bis ins XX. Jahrhundert bewohnt.
Melnik fiel 1395 unter osmanische Herrschaft und wurde in das Kustendiler Sandschak eingegliedert. In den ersten Jahrhunderten der Fremdherrschaft verfiel die Stadt immer mehr. Erst zum Ende des XVIII. und Anfang des XIX. Jahrhunderts lebte die Kultur und das geistige Leben wieder auf. Die Haupteinnahmequellen waren der Wein- und Tabakanbau. Der Wein wurde nach vielen Ländern Europas exportiert. Eine der bekanntesten Händlerfamilien waren die Kordopulovi. Ihr Haus mit dem großen Weinkeller ist heute als Museum zu besichtigen. In der Stadt gab es über 70 arbeitende Kirchen und in der Umgebung 4 Klöster. 1873 gab es in Melnik 1030 Haushalte - 650 Muslime, 2000 Bulgaren und 560 Griechen. In der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts verfiel Melnik wieder und die Einwohner siedelten sich in anderen Orten, wie z.B. Gorna Dschumia (heute Blagoevgrad) und anderen Städten in ganz Bulgarien an. Die Stadt wurde am 17 Oktober 1912 von den Osmanen befreit.

Seit 1968 ist sie eine Museumsstadt. Heute sind die Haupteinnahmequellen die Wein- und Tabakproduktion sowie der Tourismus.
Das Roschenkloster /Роженски манастир/ liegt 7 Kilometer von Melnik entfernt in den Niederungen des Piringebirges. Es ist das Größte im Pirin und eines der mittelalterlichen Klöster, die nahezu unbeschädigt die Zeit überdauert haben. Nach entsprechenden Überlieferungen datiert die Gründung auf das Jahr 890. Während der Zeit der Herrschaft von Zar Kalojan (1197-1207) wurden einige neue Gebäude hinzugefügt.
Im XVII. Jahrhundert wurde das Kloster angezündet aber durch die finanzielle Hilfe reicher Bulgaren aus dem ganzen Land, konnte es Anfang des XVIII. Jahrhunderts wieder aufgebaut werden. Die Rekonstruktion begann 1715 und 1732 war die Renovierung der Kirche abgeschlossen. Seinen Höhepunkt in der Entwicklung, hatte das Kloster im XIX. Jahrhundert, als es als regionales geistiges Zentrum fungierte und große Ländereinen besaß.
Das Kloster hat eine ungleichmäßige sechseckige Form, wobei die Wohngebäude einen wunderschönen Hof umschließen, in deren Mitte sich die Kirche befindet. Alle Gebäude stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Der Speisesaal, das Beinhaus und einige der Landwirtschaftsgebäude sind die Ältesten, noch aus der Zeit vor dem Brand im XVII. Jahrhundert. Das Kloster ist nicht nur durch seine wunderbaren Wandmalerein, sondern auch durch die Glasmalereien und Holzschnitzereien bekannt.


20.06.2008
Am Freitag fuhren wir zuerst nach Bansko. Die Zahl der Hotels hat drastisch zugenommen und in der Nähe der Stadt entstehen teilweise recht ausgedehnte Ferienkomplexe, die kleinen Städten gleichen.

Auf diversen Karten kann man schon über 160 Hotels zählen und deshalb ist auch der vorhandene Kabinenlift absolut unzureichend, um alle Urlauber zu den Skipisten zu befördern. Es ist ein weiterer Lift geplant und die Bauarbeiten werden in Kürze beginnen. Den Charme einer verschlafenen Kleinstadt am Fuße des Pirin hat Bansko durch diese Bauwut absolut verloren. Die Menge Hotels zielt auf Massentourismus aber die restliche Infrastruktur ist leider noch nicht soweit ausgebaut, um diese Touristenströme zu bewältigen. Es werden immer neue Pisten erschlossen, was natürlich zu Lasten der Natur geht.
Von Bansko fuhren wir weiter nach Dobrinischte, wo eines der vielen neuen Schwimmbäder gebaut wurde.

Der Eintritt kostete pro Person 4,00 Leva und für Kinder 2,00 Leva, für die Liegen mußten wir je 1,00 Lev bezahlen. Die Schirme waren umsonst. Neben einem großen Schwimmbecken mit Wasserbar gab es noch ein Kinderbecken. Eine Gaststätte war ebenfalls vorhanden, wo wir Mittag gegessen haben.

Nachdem wir uns im Schwimmbad ausgeruht und gestärkt hatten, fuhren wir weiter nach Dolen.
Dolen /Долен/ ist ein typisches Hochgebirgsdorf (1020 Meter über dem Meeresspiegel) im südwestlichen Teil der Rhodopen, 26 Kilometer von Goze Delchev entfernt. Das Dorf wurde von Flüchtlingen gegründetet, die sich der Zwangsislamisierung im XVI. Jahrhundert entzogen. Die Wiedergeburtsarchitektur der 70 erhaltenen Häuser führte dazu, das der Ort 1977 zum "Kultur-historischen Reservat" erklärt wurde. Eine Besonderheit sind die Dächer, die mit Steinplatten gedeckt sind. Einige Häuser wurden renoviert aber eine große Anzahl verfällt zunehmend, da scheinbar die finanziellen Mittel für die Erhaltung fehlen.
Als nächstes stand die alte Römische Stadt "Nikopolis ad Nestum" auf unserem Programm. Einige Bereiche wurden bereits ausgegraben, das ganze Areal ist eingezäunt und wird bewacht. Damit ist gewährleistet, das nicht gleich alle wertvollen Gegenstände wegkommen.
Nikopolis ad Nestum - Die Ruinen der römischen Stadt liegen 7 Kilometer östlich von Goze Delchev in der Nähe des Dorfes Garmen. Die Stadt wurde vom römischen Imperator Trajan, nach dem Sieg über die Stämme der Daker in den Jahren 105-106 v.u.Z., gegründet. Sie umfasste ein Teritorium von 25-30 Dekar (1 Dekar=1000 m2) Die Slaven zerstörten die Stadt im VI.-VII. Jahrhundert, jedoch wurde sie im X. Jahrhundert wieder aufgebaut. Über 14.Jahrhunderte war Nikopolis ad Nestum bewohnt und hatte seine Blühtezeit vom IV.-VI. Jahrhundert. Bei den Ausgrabungen wurde eine Festungsmauer mit einer Länge von 280 Metern freigelegt. Desweiteren die Fundamente von administrativen und kirchlichen Gebäuden und einige Grabhügel. Die Archäologen fanden Fragmente des Reliefs eines thrakischen Reiters, eine Statue des Gottes Hermes, über 95 Goldmünzen und 22 andere Münzen. Es wurden auch Gebrauchsgegenstände aus Glas, Bronze und Keramik entdeckt. Ein Teil der Funde kann im historischen Museum von Goze Delchev besichtigt werden. In der Nähe der Stadt wurden zwei frühchristliche Basilika entdeckt, von denen man annimt, das sie zur Stadt gehörten. Die Fußböden waren mit Mosaiken ausgeschmückt, die geometrische Figuren und Naturdarstellungen zeigen.
Die Letzte Station an diesem Tag war Leschten.
Leschten /Лещен/ ist ein malerisches Dörfchen, das nur 15 km von Goze Delchev entfernt liegt. Das Dorf bietet einen herrlichen Blick auf den Talkessel von Goze Delchev und den Kamm des Piringebirges. Es gibt eine große Anzahl Gebäude aus der Zeit der Wiedergeburt. Der Ort befindet sich zum großen Teil in privater Hand und so sind die Häuser in einem viel besseren Zustand als es in Dolen der Fall war. Hier steht auch das Haus der "Familie Flinstone", das man mieten kann.


21.06.2008
Am Samstag ging es wieder nach Sofia zurück. Wir fuhren aber nicht den direkten Weg, sondern machten einen Umweg und besichtigten das Kloster Ruen. Als wir in Sofia ankamen, machten wir noch einen Abstecher zum Basar und ich habe mir 6 neue Salatschüsseln aus Keramik gekauft. Der Preis war in Ordnung und betrug 3,00 Leva pro Stück. Da sie aus Keramik sind, mußte ich sie im Handgepäck transportieren .
Das Kloster Ruen /Руенски манастир “Св. Йоан Рилски"/ befindet sich in der Nähe des Dorfes Skrino auf dem Weg von Boboschevo nach Kjustendil. Es wurde erst 2002 gebaut und ist auch heute noch nicht vollendet. Die Kirche ist mit Wandmalereien ausgeschmückt und hat einen vergoldeten Altar. Am Kloster beginnt ein schmaler Pfad, der zu einer Höhle führt, in der Ivan Rilski gelebt hat, bevor er sich im Rilakloster niederließ. Der Weg führt dann weiter zu einem eisernen Kreuz, wo sich der Legende nach eine Jungfrau in die Tiefe gestürzt hat, um den Türken zu entkommen.


22.06.2008
Am Sonntag war auch schon der Abreisetag angebrochen. Der Rakija wurde verstaut und die Waage erreichte fast die 20 Kilomarke. Bei der Zollkontrolle gab es keine Probleme und der Flieger war pünktlich. Das Programm dieser Woche war nicht so straff gefüllt wie auf meinen letzten Reisen. Nach drei Wochen ging es ja schon wieder in Richtung Bulgarien und uns erwarteten eine dreiwöchige Rundreise von Sofia bis ans Schwarze Meer und wieder zurück. Mehr dazu im Reisebericht , der in Kürze zu lesen sein wird.
© Fank Roloff, letze Änderung am 05.10.2021
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